Die marokkanischen Aïtas tragen Züge der japanischen Geishas und sind mit den Kurtisanen der europäischen Romantik vergleichbar. Aïtas sind Gesellschafterinnen, die zu Festen, Hochzeiten und Beerdigungen eingeladen werden, ihren Lebensunterhalt aber vor allem in Nachtclubs verdienen. Stets waren sie Objekte der Phantasie und Vergötterung. Doch während sie sich vor hundert Jahren noch im Mittelpunkt der Macht und der Mächtigen bewegten, sind sie heute vom gesellschaftlichen Absturz bedroht, von Vereinsamung und Verachtung. In Madame Plaza begegnen sich die 1980 in Marrakesch geborene Bouchra Ouizguen und drei Künstlerinnen aus ihrer Heimat, die von einem vorwiegend männlichen Publikum jahrzehntelang vor allem auf ihre ausgestellten Körper reduziert wurden. Der betörende Gesang und die sanften Hüftschwunge der Aïtas, kaum spürbar aber raumgreifend, faszinierten die ehemalige Solotänzerin des arabischen Tanzes. In der Widersprüchlichkeit des in Marokko gängigen Frauenbildes – Aïtas werden diskriminiert, aber für ihre Stellung innerhalb der Männerwelt auch beneidet – entdeckt sie einen Hauch gesellschaftlicher Freiheit.
Konzept / Choreographie
Bouchra Ouizguen
Musik
"Ahat" (Youssef El Mejjad), "Akegarasu" (Shon-Nai)
Kostüme
Nourredine Amir
Mit
Kabboura Aït Ben Hmad, Fatima El Hanna, Bouchra Ouizguen, Naïma Sahmoud
Produktion
Compagnie Anania, Michel Laurent
Koproduktion
Fabrica Europa Florenz, Montpellier Danse 2009
Mit freundlicher Unterstützung der Französischen Botschaft in Rabat, Culturesfrance
Logistische Unterstützung
Hochschule der Künste Rabat, Institut Francais Marrakesch
Präsentation
Theater an der Ruhr, Theater der Welt 2010
Mit freundlicher Unterstützung des Goethe-Instituts