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© Lav Diaz

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Lav Diaz (Manila), Elia Suleiman (Jerusalem), Tsai Ming-Liang (Taipeh)

DREI FILMEMACHER


In einem Filmprogramm präsentiert Theater der Welt drei internationale Filmemacher, die ein analytischer, aber poetischer Blick auf ihren eigenen Kontext verbindet. Lav Diaz, Elia Suleiman und Tsai Ming-Liang wählen die Filme selbst aus und sind bei den Filmvorführungen anwesend. 

Lav Diaz Melancholia
Melancholia ist eine achtstündige Meditation über die Traurigkeit in der Welt. Sie gliedert sich in vier Teile. Im ersten Teil erfinden drei Menschen in Manila ihre Individualität auf drastische Weise neu, nachdem sie einen geliebten Menschen verloren haben. Der zweite Teil rückt Julian und Alberta in den Mittelpunkt, die sich in Situationen verstricken, die ihr melancholisches Dilemma widerspiegeln. Im dritten Teil begleitet Diaz Kamera eine Gruppe linker Aktivisten in den Wäldern von Mindoro. Sie kämpfen ebenso gegen ihre inneren Zweifel um eine politische Überzeugung, wie gegen die Staatsmacht, die sie verfolgt. Melancholia ist ein erschreckend humorloses Bild der Gesellschaft, besticht durch seine klare, schwarz-weiße Bildkraft. Diaz schickt uns dabei nicht primär auf eine achtstündige Reise durch seinen eigenen Kosmos. Er sticht in offene Wunden, seine Atmosphären wirken lange nach.

Elia Suleiman Le chronique d’une disparition
Die Handlung setzt 1995 kurz nach der Ermordung Yitzhak Rabins und der Neuwahl Benjamin Netanyahus als israelischer Ministerpräsident ein. Lose Szenen werden durch die persönliche Biographie des Regisseurs verknüpft. Elia Suleiman kehrt nach zwölf Jahren in New York in seine fremd gewordene Heimat zurück. Die Akkumulation der Bilder und Situationen folgt keinem Handlungsbogen, läuft auf keine zentrale Aussage hinaus. Bilder eines Souvenirshops, auf dem das Schild „Holyland“ prangt stehen neben Aufnahmen arabischen und jüdischen Alltagslebens oder Bildern einer palästinensischen Guerilla Theatergruppe. Das Ende kommt unerwartet: Eine lange Einstellung der schlafenden Eltern des Regisseurs mischt sich mit Bildern israelischer Nachrichten.


Tsai Ming-Liang Goodbye Dragon Inn
Goodbye Dragon Inn zeigt die letzten 90 Minuten eines alten Kinos in Taipeih, das nach einer letzten Vorführung von King Hus Schwertkampf-Klassiker Dragon Inn von 1967 geschlossen wird. Nur ein paar Leute sind im Kino. Die Kartenabreisserin versucht den Filmvorführer zu finden, den sie in all den Jahren ihrer gemeinsamen Arbeit noch nie gesehen hat. Ein junger japanischer Tourist ist auf der Suche nach dem schnellen Sex mit einem Mann, ein älterer Mann erzählt ihm, dass das Kino verflucht sei. Ein weiterer alter Mann, Mitglied der Originalbesetzung von Dragon Inn, schaut den Film mit Tränen in den Augen, ist vielleicht der einzige, der wegen des Films im Kino ist. Goodbye Dragon Inn kommt beinahe ohne Kamerabewegungen aus, Dialoge sind selten in dieser bildgewaltigen Welt.

Tsai Ming-Liang Madam Butterfly
Tsai Ming-Liang nimmt sich von Puccinis Oper nicht mehr als das Setting, verlegt es von Japan nach Singapur. Im Mittelpunkt steht die von ihrem Liebhaber verlassene Frau. Madam Butterfly steht am Busbahnhof in Kuala Lumpur, hat nicht genügend Geld in der Tasche um sich ein Ticket zu kaufen. Bilder von den Marktständen, die um den Bahnhof aufgebaut sind, wechseln sich ab mit den Gesichtern der wartenden Menschen, Butterflys Versuch einen Bus zu besteigen wird ihr von dessen Fahrer verwehrt. Die Figur verliert sich im Getümmel, ihr Leiden erreicht fast ironische Dimensionen, als sie ein Haar auf ihrer Zunge findet, das letzte Relikt ihrer vergangenen Liebe.

 

 

Lav Diaz
04. Juli 
Filmstudio Glückauf
10 Uhr Melancholia (2008)
Teil 1: Transformations and Transgressions in Sagada
Teil 2: II. Patricia's Song
(OmeU)
Dauer: 9 Stunden

11. Juli

Kino Rio
11 Uhr Melancholia
Teil 3: No Redemption for the Poet-Warrior
Teil 4: Epilogue
(OmeU)
Dauer: 7 Stunden 30 Minuten

Elia Suleiman
05. Juli
Filmstudio Glückauf
19 Uhr Le chronique d’une disparition (1996) (OmeU)

Tsai Ming-Liang
12. Juli
Kino Rio
19 Uhr Goodbye, Dragon Inn (2003) (OmU)
21:30 Uhr Madam Butterfly (2010) (OmU)

Mit freundlicher Unterstützung der Essener Filmkunsttheater

RUHR.2010 ITI