Festivalredaktion

Auf der Suche nach der Geschichte

Ein Blick auf Jetse Batelaans »Die Geschichte von der Geschichte« – für Kinder

Copyright: Kurt van der Elst

von Eva Marschall

Wie viele von euch, habe auch ich das Theaterstück »Die Geschichte von der Geschichte« besucht. Hier bei »Theater der Welt« hat es sogar einen Preis gewonnen. Und weil das Stück für Kinder ab 8 Jahren ist und ich mit einigen von euch darüber gesprochen habe, soll auch mein Text für Kinder sein. Denn manchmal sind die Texte für die Großen gähnend langweilig oder können einem Angst machen. Also kommt hier mein Text für euch. Vielleicht schnappt ihr euch einen Erwachsenen, der beim Lesen hilft und da ist, wenn ihr Fragen habt.

Als ich in den Theatersaal komme, kommt mir ein Mensch entgegen, der einen Mülleimer transportiert, Klebeband an seinen Beinen trägt und einen Putzeimer unter seinen Hintern gebunden hat. Da muss ich schon grinsen. Und als ich dann auf meinem Platz sitze, entdecke ich ein Bein, das unter dem Vorhang herauslugt. Jetzt kommt der Mensch mit dem Eimer wieder herein. Als der Vorhang aufgeht, geht das Licht im Saal nicht wie gewohnt aus, und ein anderer lustig gekleideter Mensch läuft durchs Publikum. Auf der Bühne sind noch andere, die erkunden alles. Eine der Gestalten versucht sogar den Bühnenboden zu essen. Eine andere baut sich eine Flitsche und schießt damit eine Lampe von der Decke.

Ich glaube, die waren noch nie im Theater! Aber sie haben jede Menge Ideen, was man mit den Gegenständen hier anfangen könnte. Einer angelt eine Handtasche, ein anderer klaut einen Schuh aus der ersten Reihe. Und dann fahren kunterbunte Formen an den Gestalten vorbei. Da sitzt auch eine Gestalt, die Farbe isst und sie überall hinschmiert. Sogar an die vorbeifahrenden Formen. Plötzlich tritt einer der Menschen auf einen Knopf und die Geschichte der Geschichte beginnt. 

Ab jetzt, immer, wenn jemand oder etwas den Knopf herunterdrückt, erzählt uns eine Stimme hoch über unseren Köpfen die Geschichte. Ich lasse mir nach der Vorstellung von Jari (8), Michael (10), Adam (8) und Jonathan (8) dabei helfen, die Geschichte kurz zusammen zu fassen.

Sie kommt aus einem kargen, langweiligen Ort

Und bevor es die Geschichte gab, war alles noch viel langweiliger dort. Und weil es dort auch jetzt immer noch sehr langweilig ist, macht sich die Geschichte auf den Weg über den Ozean bis hier hin, ins Theater. 

Und als ich gerade gespannt der Geschichte lausche, höre ich drei neue Stimmen. Das sind Lukas und seine Eltern. Zuerst höre ich nur ihre Stimmen, dann sehe ich gigantische Pappfiguren. Wer die sind? Da hilft mir Jari auf die Sprünge: »Donald Trump, Ronaldo, eine berühmte Sängerin und ein Präsident.« Die Sängerin ist Beyoncé und der Präsident ist Kim Jong-Un. Aber eigentlich sind sie hier nur Pappaufsteller. Denn die Menschen, die in den Türmen hinter der Pappe stecken, sprechen ja den Text von Lukas und seinen Eltern Pia und Hans. 

Michael erzählt kurz was wir wissen müssen: »Ein Lukas hat nach einer Geschichte gesucht, und durfte nicht über die Kante gucken, weil sein Vater Hans ihm das verboten hat.« Denn Lukas Papa ist ein großer Besserwisser. Erst sagt er, Lukas dürfe nicht an die Bühnenkante, dann ist er überrascht, dass wir im Publikum sitzen. Ich habe das Gefühl, Hans weiß gar nicht so viel, wie er glaubt. Ich mag ihn auch eigentlich nicht so gern, er hört nämlich auch nicht auf Lukas Mutter, die absolut nicht in den Arm genommen werden will und auch nicht geküsst werden will.

Darf der das denn dann trotzdem tun?

In der richtigen Welt ist das ja sogar verboten. Erwachsene dürfen Kinder und andere Erwachsene gar nicht umarmen oder küssen, wenn sie es nicht wollen. Gut, dass jemand am Ende seinen Text aufisst. 

Ich habe für euch auch mit Jetse Batelaan gesprochen. Der hat das Stück geschrieben und mir erzählt, was er sich gedacht hat. Herr Batelaan hat selbst drei Kinder, die sehr interessiert an den Stücken sind und manchmal sogar Listen machen, welche seiner Stücke sie am besten finden. Und sein Sohn mag Ronaldo gern. Als er eine Zeit lang nicht so interessiert war an den Stücken seines Vaters, hat der sich überlegt, kurzerhand seinen Lieblingsfußballer ganz groß auf die Bühne zu bringen. 

Herr Batelaan erzählt mir, dass seine Tochter »Die Geschichte von der Geschicht« besonders mag. Sie spielt zuhause sogar die Szenen nach. Ich frage mich, ob die Batelaans Zuhause wohl auch essbaren Fußboden haben, der ist nämlich, wie die anderen Gegenstände, die die Schauspieler im Theater essen, gar nicht echt. Das würde ja auch nicht gut schmecken. 

Zurück zur Geschichte. Aber Halt! Die Menschen auf der Bühne haben inzwischen Lukas Mutter auseinandergenommen und auf ihren Haufen von Theatergegenständen gelegt. Naja, vielleicht weil sie ja auch eigentlich nur eine Pappfigur im Theater ist. Und dann essen sie auch noch den Knopf und wir erfahren nicht mehr, wie die Geschichte endet.

Doch, Adam weiß es! »Einfach so, Vorhang zu. Bums. Ende«