Festivalredaktion

»Das Stück hat uns geprägt«

Unsere Autorin hat mit den Darsteller:innen Maja Pindek Rabrenović und Phoenix Grün über »Ist mein Mikro an?« gesprochen

Phoenix Grün
(Copyright: Thomas Rabsch)
Maja Pindek Rabrenović
(Copyright: Thomas Rabsch)

von Jorid Disteldorf

Die Folgen des Klimawandels beschäftigen die »Generation Z« ganz besonders. Sie, die noch nicht volljährig sind und noch nicht wählen dürfen. In »Ist mein Mikro an?” erheben 18 Jugendliche gemeinsam ihre Stimme gegen die Erwachsenen, stellen sie zur Rede und fordern Veränderung ein, um die Klimakatastrophe endlich abzuwenden.

Der Himmel ist grau, Regen prasselt auf den Gustaf-Gründgens-Platz. Keine guten Voraussetzungen für eine Theatervorstellung unter freiem Himmel. Dennoch proben die 18 Darsteller:innen von »Ist mein Mikro an?« im Regen. Geduldig warten wir auf den Beginn. Dann die ernüchternde Nachricht: die Aufführung fällt aufgrund des Wetters heute aus und wird morgen nachgeholt.

Etwas niedergeschlagen schaue ich auf mein Handy und freue mich über die Interviewzusage der beiden Darsteller:innen Maja Pindek Rabrenović und Phoenix Grün. Wir setzen uns direkt im Foyer des Schauspielhauses zusammen. Ich lege mein Handy für die Aufnahme auf den Tisch und frage nach dem Alter der beiden. Dass Maja 15 und Phoenix 16 Jahre alt ist, erstaunt mich. Beide hätte ich wegen ihrer offenen und selbstbewussten Art älter eingeschätzt. Phoenix erklärt mir, es sei wichtig gewesen, dass das Ensemble von »Ist mein Mikro an?« zwischen 11 und 17 Jahre alt ist, die Teilnehmer:innen also noch nicht wählen dürfen.

Maja erzählt, wie sich die Jugendlichen für dieses große Projekt zusammengefunden haben: »Es gab mehrere Castingaufrufe«, weil das Stück wegen der Pandemie von 2020 auf 2021 verschoben werden musste. Sie selbst sei seit einem Casting 2019 dabei, Phoenix sei nach einem Online Casting 2021 eingestiegen.

Anfangs hätten die Proben über Zoom stattgefunden, erzählt Phoenix, »das war nicht schön«. Dennoch hätten sie es alle gemeinsam geschafft. Dann ging es in die Präsenzproben.
Corona wirbelte den Probenprozess durcheinander
Erst zwei Tage vor der Premiere bei Theater der Welt hätten sie erfahren, auf welcher Bühne sie aufführen würden, ob draußen oder drinnen. »Das hat einen verunsichert«, sagt Maja. Umso schöner sei es gewesen, dass die Gruppe so zusammengewachsen und eine enorme Dynamik entstanden sei. Phoenix fügt hinzu: »Anders hätte es nicht sein dürfen, sonst hätte das nicht geklappt.«

Dass sie den Text anfangs in der englischen Originalfassung geprobt hätten, habe die Gruppe nicht verunsichert. Maja und Phoenix sind sich einig, dass sie durch die Regiearbeit mit Bassam Ghazi und die Übersetzung von Frank Weigand und Kirstin Hess ihre eigenen Perspektiven hätten einbringen können. Auch die unterschiedlichen Muttersprachen der Darsteller:innen sind Teil der Inszenierung.

Vieles sei natürlich fiktiv, erzählt Phoenix, es sei eben ein Schauspiel. Aber ihre Gefühle seien echt, die gespielten Rollen kämen ihrem Selbst sehr nahe. Ich frage die beiden nach den Vorwürfen, die sie den älteren Generationen auf der Bühne machen. Sie sind sich einig:
Wir wissen ja selbst nicht was wir besser machen können. Aber es muss etwas gemacht werden, das wissen wir.
Mit den Vorwürfen, die sie in ihren Rollen äußern, wollen die Darsteller:innen ihre Verzweiflung zeigen, die Hilflosigkeit ihrer Generation.

Mich hat das Interview bewegt. Es hat mir gezeigt, dass diese sogenannte Generation Z viel mehr ist als ein Haufen am Handy hängender Jugendlicher oder junger Erwachsene. Auch Majas und Phoenix‘ Zukunftspläne stehen diesen Vorurteilen entgegen. Phoenix will ein »Sprachrohr der Gesellschaft« werden, ob am Theater oder in der Politik. Um den Menschen eine Stimme zu geben, die nicht immer gehört oder sogar ignoriert werden.

»Ist mein Mikro an?« ist ein erster großer Schritt hin zu diesem Ziel. Maja und Phoenix bleiben viele schöne Erinnerungen vom gemeinsamen Arbeiten an dieser Inszenierung. Mir wird ein Satz aus unserem Gespräch besonders im Kopf bleiben: »Wir haben das Stück geprägt, so wie das Stück uns geprägt hat«, da sind sich Phoenix und Maja einig.