Festivalredaktion

Eine wasserdichte Freundschaft

Ein Ausflug in die Fantasiewelt von »Der Urknall«
Copyright: Tal Shahar

von Eva Marschall

Was passiert, wenn man alle Geräte auseinandernimmt und mit ganz viel Fantasie wieder zusammenbaut? Das haben Künstler:innen aus Israel und Litauen gemacht. Eine ganze Welt haben sie neu gebaut. Und in dieser Welt ist alles aus Elektroteilen, überall sieht man Festplatten, Kabel und Stecker. Es gibt eine Stadt mit fliegenden Untertassen, und einer Einkaufsstraße.

In dieser Stadt wohnen Ki und Batty. Die beiden sind auch aus Elektroteilen gemacht. Ki spricht eine Sprache, die ich nicht verstehe und Batty macht Hundegeräusche. Wie gut, dass es Untertitel gibt. Sie haben viel Spaß zusammen. Ki wohnt mit Batty in einer Wohnung. Ratet mal, was sie als Fernseher benutzen? Ein altes Handy. Darauf gucken sie zum Beispiel die Pac-Man Meisterschaft. Und Ki macht gerne Musik. Doch plötzlich passiert in der Stadt etwas ganz Ungewöhnliches. Es regnet, und zwar echtes Wasser.

Nun denkt ihr euch bestimmt: »Was ist denn an Regen so ungewöhnlich?« In dieser Stadt hat es bis dahin noch nie geregnet. Gut, dass Batty tief unter der Stadt eine uralte, geheime Höhle gefunden hat. Dort wartet die Lösung, wie die beiden dem Wasser entkommen können. Denn die ganze Stadt droht kaputt zu gehen, weil Elektronik und Wasser sich bekanntlich gar nicht gut vertragen.
Unterwegs zwischen zwei Welten
Und während ich auf dem einen Bildschirm den spannenden Film von Batty und Ki verfolge, sehe ich auf dem anderen, wie die Künstler:innen, die dieses Theaterstück spielen, gerade den Film dazu machen. Da ist viel zu entdecken. Ich sehe, wie sie Nebel machen, wie sie die Fäden und Stäbchen, an denen Ki und Batty eigentlich hängen, bewegen, damit die beiden im Film fast wie ein kleiner Mensch und ein Hund aussehen, obwohl sie natürlich eigentlich nur ein paar Elektroteile sind: Batty zum Beispiel ist eine Batterie. Aber mit Hilfe der Puppenspieler:innen sieht Batty im Film so lebendig aus! Und wir sehen, wie die Künstlerin Chihiro die Geschichte filmt, damit wir sie auf dem Bildschirm sehen können.

Die echten Menschen rund um die Kulissen aus Technikstückchen und Computerteilen sind ganz in Schwarz angezogen, damit sie im Film nicht zu sehen sind. Ich kann beim Schauen einfach zwischen den verschiedenen Ansichten hin und her schalten. Manchmal möchte ich Ki und Batty ganz nah durch Chihiros Kamera beobachten, wie sie das Abenteuer erleben, und manchmal möchte ich sehen, wie die Künstler:innen arbeiten. Das hilft auch, wenn es ein bisschen gruselig wird, zum Beispiel als das Gewitter kommt. Da habe ich mich einfach auf die Darsteller:innen konzentriert. Und gesehen, dass der Regen und der Donner eine Sprühflasche und ein Blech waren.

Mir hat der Abend mit Batty und Ki einen riesigen Spaß gemacht. Und ihr könnt die beiden auch noch heute auf der Internetseite des Festivals Theater der Welt kennenlernen. Ich freu mich schon auf die Fortsetzung.