Jetse Batelaan, Theater Artemis
— Niederlande / Schauspiel


Die Geschichte von der Geschichte

Foto: Kurt van der Elst
Huhu? Ist da jemand? Gibt es hier irgendwo eine Geschichte? Das Publikum ist gespannt, der Vorhang öffnet sich, und die Bühne ist – leer! Nur hinten in der Ecke lümmeln ein paar Leute. Wer sie sind, weiß noch niemand … aber Vorsicht, sie sind hinter deiner Tasche oder deinen Schuhen her! Die Geschichte von der Geschichte ist ein Bühnenspektakel für alle ab 8 Jahren über …? Hut ab, wenn ihr uns hinterher sagen könnt, worum es geht! Wir haben den roten Faden längst verloren, aber vielleicht findet ihr ihn wieder? Zumindest gibt es eine Stimme aus dem Irgendwo, die uns einen Weg weist … sowie fantastisches Licht, spektakuläre Kampfszenen, schwebende geometrische Objekte, und dann tritt der echte Cristiano Ronaldo auf und bringt auch gleich seine Eltern mit.

Ein Theaterereignis für die ganze Familie, gespielt mit überbordender Lust und Fantasie, die große und kleine Zuschauer*innen mitreißen. Die Arbeiten des Regisseurs Jetse Batelaan, des »wildesten Freidenkers des niederländischen Theaters«, sind berühmt für ihre starke Bildsprache und ihre absurde und schlaue Komik. Batelaan zählt zu den unkonventionellsten Protagonist*innen einer neuen Generation von Theaterschaffenden in Europa. Er wurde u. a. mit dem Silbernen Löwen der Biennale in Venedig in der Kategorie Theater ausgezeichnet. Batelaan wird im Anschluss an die Vorstellung vom 19.6. mit dem Preis des internationalen Theaterinstituts (ITI) ausgezeichnet.

»Ich brauche Protest und Widerstand«

— Der niederländische Theatermacher und diesjähriger ITI-Preisträge Jetse Batelaan im Gespräch mit Marion Troja.
Geschichten erzählen, Charaktere auf der Bühne vorführen – davon haben Sie sich verabschiedet. Was zeigen Sie stattdessen?

Das ist ja kein Gesetz, in meiner letzten Arbeit gab es auch eine Geschichte und Figuren. Theater ist ein Ort der Störung, ein Ort für Unerwartetes und ein guter Ort, um den Umgang damit zu erleben. In diesem Sinne mag ich es, Regeln zu brechen. Und eine Theater-Regel ist eben, dass es eine Story und Charaktere gibt. Das ist eine wesentliche Erwartung, die ich in der radikalsten Weise versuche zu unterlaufen. Das macht viel Spaß.

Unbehagen und Unsicherheit sind Bestandteile Ihrer Inszenierungen. Diese Gefühle sind gerade allgegenwärtig. Wir gehen Sie damit um?

Im Augenblick ist das schwierig, wir stecken mitten in der Krise. Aber generell ist Kunst eine Vorbereitung für ungewohnte Situationen. Da ist es gut, wenn man vielleicht im Theater schon einmal erlebt hat, dass man sich darauf einstellen kann. Kunst dient der Übung für diese Art von Erfahrung. So wird Selbstvertrauen aufgebaut, und genau das braucht man jetzt. Wenn Sie mich fragen, was wir Kindern beibringen sollen, dann das – in eineinhalb Stunden und in einer kontrollierten Situation.

Sie gastieren mit »Die Geschichte von der Geschichte« beim Festival Theater der Welt. Christiano Ronaldo, Beyoncé und Trump treten auf, das klingt ziemlich konkret.

Sie kommen auf die Bühne, auf der keine Story stattfindet. Es ist eine komplett abstrakte Welt, und sie haben die gleichen Schwierigkeiten sich zurechtzufinden wie das Publikum. Damit müssen sie klarkommen und machen das auf ganz unterschiedliche Weise. Die Erwachsenen wollen die Kontrolle behalten, aber dazu sind sie nicht in der Lage. Irgendwann wollen sie die Bühne verlassen, aber das geht auch nicht. Sie sind einfach zu groß.

In welcher Sprache wird gespielt?

Auf Deutsch. Es gibt ein Voiceover, mit dem »Die Geschichte von der Geschichte« erzählt wird. Und dann haben wir noch zwei andere Schichten in diesem Stück: Menschen, die aussehen wie primitive people, die einfach da sind. Sie existieren wie die Mäuse im Kino. Und geometrische Formen, die vorbeiziehen - über den Boden und durch die Luft. Ganz zufällig. Diese vier Elemente sind das Stück: Die Papp-Familie der Celebrities, das Voiceover, die primitive people und die sich bewegenden Formen.

Sie bezeichnen Ihre Arbeiten als beängstigend, chaotisch und anarchistisch. Wie fallen typische Reaktionen im Publikum aus?
Das Publikum ist ein wichtiger Mitspieler. Es ist mehr oder weniger repräsentiert durch den achtjährigen Jungen, durch Christiano Ronaldo. Besonders für Kinder ist das sehr wichtig, es ist eine Frage der Identifikation. Aber ganz allgemein: Am Anfang weiß ja keiner, was passiert. Viele lachen und vielleicht sind sie auch nervös. Aber es macht Spaß und natürlich ist es auch immer anders. Es hängt ein bisschen davon ab, wie sehr man auf klassisches Theater vertraut. Solche Zuschauer sind vielleicht zu Beginn enttäuscht. Das gibt es bei Erwachsenen und auch bei Kindern. Na ja, es wird jedenfalls viel gelacht, weil es für alle einfach sehr schräg ist. Für mich liegt darin der Humor.

Gibt es denn einen Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen?

Kinder sind offener, sie haben die Fähigkeit, surreal zu denken. Ich mag an jungem Publikum sehr, dass es sich gerne beteiligt. Die jungen Menschen trauen sich zu schreien und zu interagieren. Wir Erwachsenen sind oft ein bisschen zu höflich. Ich brauche aber den Protest und Widerstand.

Ein Drittel des Festivalprogramms ist für junges Publikum geplant. Macht es für Sie einen Unterschied, wie alt die Zuschauer*innen sind?

Es ist wirklich wichtig zu kommunizieren, dass es ein Stück für alle ab acht ist. Aber wir haben dennoch auch ein erwachsenes Publikum. Es wäre ein Segen, wenn die Art des Inszenierens für Kinder und Erwachsene sich nicht unterscheiden würde. Es sollte ein Austausch von Ideen sein. Wir sind in den Niederlanden in der glücklichen Lage, dass wir mit »The story of a story« auch für erwachsenes Publikum ausgewählt werden. Wir machen Kunst, das ist entscheidend.

Wie wichtig sind für Sie Publikumsgespräche im Anschluss and die Vorstellungen?

Es macht Spaß, aber das Stück sollte auch ohne funktionieren. Es ist großartig, wenn Familien oder Schulklassen nach dem Besuch über das Gesehene diskutieren. Ich persönlich mag es nicht so, wenn die Theatermacher erklären sollen, was sie gezeigt und was sie gemeint haben. Das ist nicht der Punkt. Der Theatermacher ist nicht wichtiger als die Erfahrungen eines Achtjährigen.

Jetse Batelaan, Theater Artemis:
Die Geschichte von der Geschichte
19.06.21, 20:00 - 21:30
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19.06.21, 20:00 - 21:30
Schauspielhaus, Großes Haus
Jetse Baterlaan wird im Anschluss an die Vorstellung vom 19.6. mit dem Preis des internationalen Theaterinstituts (ITI) ausgezeichnet. Der ITI-Preis wird seit 2016 zur Würdigung und Unterstützung der internationalen Arbeit jüngerer Künstler*innen vergeben.
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Schauspielhaus, Großes Haus
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Podiumsgespräch:
Jetse Batelaan
20.06.21, 13:00 - 14:30
Schauspielhaus, Großes Haus

Diese Vorstellung ist auch als Livestream buchbar.
20.06.21, 13:00 - 14:30
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