Alex Ivanovici, Annabel Soutar, Brett Watson (Porte Parole) —
Kanada / Schauspiel


The Assembly

Dokumentartheater von Porte Parole —
Eine Fernsehproduktion aus Kanada und ein Theaterabend aus Deutschland
Foto: Maxime-Côté
Mit ihrem dokumentarisch-theatralen Langzeitprojekt setzen Porte Parole einem erstarkenden Extremismus den offenen Diskurs entgegen. Seit 2017 laden sie Menschen mit kontroversen Haltungen zu einer nicht öffentlichen Begegnung ein. Die Protokolle dieser Gesprächsrunden werden jeweils zu einem neuen, eigenständigen Stück verarbeitet.

L’Assemblée Montréal

Ein Projekt mit einer französischsprachigen Community
In L’Assemblée Montréal führen vier Frauen eine offene und sehr persönliche Auseinandersetzung über Feminismus, den islamischen Einfluss auf die kanadische Kultur und die nationale Identität von Quebec. Diese Theaterproduktion von Porte Parole ist zum Festival Theater der Welt in einer Aufzeichnung von Télé-Québec als Fernsehproduktion zu erleben.

Die Versammlung München

Ein wirklichkeitsnahes Schauspiel
In Zusammenarbeit mit den Münchner Kammerspielen ist erstmals eine Ausgabe von The Assembly in Deutschland entstanden: Vier Menschen werden zu einem Abendessen eingeladen. Politisch, beruflich und kulturell haben sie verschiedenste Hintergründe. Nach einer kurzen Vorstellung diskutieren sie über Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Rassismus, über Geschlechtergerechtigkeit und diskriminierende Sprache, über Einwanderung und Religion. Was bedeutet es, einander zuzuhören? Welche Regeln braucht ein demokratischer Dialog? Wie können sich Menschen mit unterschiedlichen politischen Auffassungen verständigen?

Politik ist schon was sehr Persönliches

Text: Thalia Schoeller — Lektorat: Mehdi Moradpour
Vier Menschen treffen sich zum ersten Mal beim Abendessen. Politisch, beruflich und kulturell haben sie verschiedenste Hintergründe. Energisch diskutieren sie über Zugehörigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, diskriminierende Sprache und Religion und setzen sich zudem mit umstrittenen Aussagen einer weiteren Person auseinander. Sechs Schauspielerinnen stellen diese konfliktreiche Gesprächsrunde nach. Auch das Publikum kommt hier zu Wort.

Wir sind uns einig: Politische Diskussionen sind essenziell für eine lebendige Demokratie. Das ist der Grundgedanke eines Parlaments. Demokratien entwickeln sich, wenn sich Kommunikation entwickelt. Woran scheitert politischer Dialog? Bedeutet Toleranz auch, Intoleranz zu tolerieren? Auch extremen Meinungen eine Plattform zu geben und jedem aufmerksam zuzuhören? Geht das überhaupt? Oder ist genau das gefährlich? Und wo verlaufen die Grenzen zu Zensur?

In langen und intensiven Gesprächen auf und neben der Bühne, zwischen Regisseurinnen, Autoren, Dramaturg*innen und Schauspielenden, Kanadiern und Deutschen und ausgewählten Münchner*innen entstand ein bis zuletzt unfertiges Stück. Im Probenprozess und im Spiel wurden und werden trotz Uneinigkeit Entscheidungen getroffen. Es entsteht ein Miniatur-Parlament, ein Modell, das es möglich macht, zu erkennen, wo Demokratie nicht funktioniert und wo sie aufblüht, wie das Miteinander-Sprechen zum Aneinander-Scheitern wird und dennoch nicht vergeblich bleibt.
Gleichzeitig wird deutlich, wie emotional aufreibend dieses permanente Scheitern, Missverstehen und Überhören, Übertönen und Aneinanderprallen sein kann. Wie Resignation, Zynismus und Ironie zu Mitteln des Selbstschutzes werden, Allianzen trotz gegensätzlicher Grundhaltungen entstehen, um eine Argumentation zu gewinnen und wie die Einsicht, dass niemand wirklich gewinnen kann, zu Stillstand führt.
Bis es weitergeht. Je konkreter das gemeinsame Ziel – im Stück die Aufgabe, zusammen einen Brief zu formulieren, desto mehr flüchten sich die Diskutant*innen in Details, im festen Willen, zumindest eine Sache richtig zu machen. Einigung ist immer der kleinste gemeinsame Nenner und entsprechend klein. Kann man dennoch durch Einigungen und Kompromisse genügend Veränderungen erreichen, um die Krisen dieser Zeit zu bewältigen? Und was, wenn nicht?

In der Pause reden sie über Zombies, über Menschlichkeit und Unmenschlichkeit. Sie sprechen über Geschichte und den Umgang mit Vergangenheit. In der Pause stimmen sie einander zu. Dann geht es weiter, zurück an den Tisch, zurück in die Rollen, für die sie gecastet wurden, damit eine möglichst aufgeladene Diskussion entsteht.
Das Stück bleibt eine Inszenierung und dennoch trifft es. Wie eine Fotografie wird nur ein Ausschnitt beleuchtet, ein Teilbereich der Lebenswelten der Teilnehmer*innen, ausgewählt von Außenstehenden. Doch ist es ein Ausschnitt der Wirklichkeit und er hält uns als Gesellschaft in einer bestimmten Bewegung fest, damit wir sie beobachten können. In der Beobachterposition verstehen wir die Wut, die Verzweiflung, den Verdruss und die Anstrengung. Und jeder Zuschauende versteht noch ein bisschen mehr. Deshalb bitten wir zum Schluss Sie an den Tisch. Das ist Ihre Welt, Ihre Demokratie und wir möchten hören, was Sie zu sagen haben.
Hier geht es zum Programmheft der Münchener Kammerspiele zu »The Assembly / Die Versammlung«

Alex Ivanovici, Annabel Soutar, Brett Watson (Porte Parole):
L’Assemblée Montréal
01.07.21,
Online
Video-on-Demand

Das Video-on-Demand ist am 01.07.21 von 16 bis 23:59 Uhr verfügbar. Aus urheberrechtlichen Gründen ist dieses Video nur in Europa verfügbar.
Preise: 5,00 €
Karten iCal
01.07.21, 18:00 - 19:15
Schauspielhaus, Kleines Haus

Filmvorführung der Fernsehaufzeichnung im Theatersaal.
Preise: 12,00 €
Karten iCal
01.07.21, 20:30 - 21:45
Schauspielhaus, Kleines Haus

Filmvorführung der Fernsehaufzeichnung im Theatersaal.
Preise: 12,00 €
Karten iCal

Alex Ivanovici, Annabel Soutar, Brett Watson (Porte Parole):
The Assembly / Die Versammlung München
03.07.21, 20:00 - 22:15
Schauspielhaus, Kleines Haus
Preise: 31,00 €
Karten iCal
04.07.21, 18:00 - 20:15
Schauspielhaus, Kleines Haus
Preise: 31,00 €
Karten iCal

Theaterzeitung zum Nachlesen

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