Festival Theater der Welt Düsseldorf
übergibt an Frankfurt/Offenbach

Zum Abschluss von Theater der Welt in Düsseldorf übergaben Intendant Wilfried Schulz und Programmdirektor Stefan Schmidtke am Samstag in Düsseldorf gemeinsam mit dem scheidenden ITI Präsidenten Joachim Lux das Festival an die Nachfolger:innen in Frankfurt am Main. Die Frankfurter Festivalintendanten Matthias Pees: Künstlerhaus Mousonturm, Matthias Wagner K: Museum Angewandte Kunst und Anselm Weber: Schauspiel Frankfurt gaben in einem gemeinsamen Videostatement auch die neue Programmdirektion bekannt:

Theater der Welt 2023 wird von Chiaki Soma und Kyoko Iwaki von Arts Commons Tokyo kuratiert.

Kyoko Iwaki
Chiaki Soma
»Arts Commons Tokyo wurde 2014 gegründet und besteht mehrheitlich aus weiblichen, multilingualen Kulturschaffenden, darunter ein:e Kunst- und Theaterproduzent:in, Kurator:in, Dramaturg:in, Forscher:innen, Administrator:innen, Übersetzer:innen und Dolmetscher:innen. Mit nunmehr fünfzehn Mitgliedern haben wir erfolgreich zahlreiche interdisziplinäre Projekte organisiert, die über die Sprache der Kunst den Status quo der Gesellschaft in Tokio, Fukushima und verschiedenen anderen asiatischen und europäischen Städten beleuchten.
Wir werden bei der Zusammenstellung unseres Teams für Theater der Welt 2023 in den Bereichen Produktion, Kommunikation und Stadtprojekte von Arts Commons Tokyo unterstützt.

Als erstes asiatisch-weibliches Team das Theater der Welt leitet, werden wir das Prinzip der nicht- westlichen, nicht-binären und sogar nicht-menschlichen Perspektiven zum Anlass nehmen, um unsere Vorstellungen von Theater, Festivals und der Welt neu zu justieren und zu überdenken. Unter dem Gesichtspunkt einer operativen Ethik und unter Berücksichtigung der empirischen Kenntnisse der globalen Pandemie wollen wir ein Festival schaffen, dessen thematischen Schwerpunkt wir ‘Inkubationismus’ nennen wollen: eine kollektive Zeit des Wartens, in der wir auf ein neues Leben hoffen und vielleicht auch Angst vor künftigen Symptomen haben.

Wir nehmen diesen dualen und synchronen Zeitrahmen als Grundlage einer neuen Ethik der Pflege und Heilung und einer Hinterfragung dessen, was wir als ‘Krankheit’ denken und wahrnehmen können. Zum ersten Mal in der neueren Geschichte sind Geist und Körper einer großen Anzahl von Menschen erkrankt. Diese Pandemie hat uns gelehrt, mit ihr umzugehen und uns nicht nur um kranke Menschen, sondern auch um kranke Tiere, Pflanzen, unsere Umwelt und die Natur zu kümmern. Politisch und ethisch sollte der Begriff der Fürsorge befreit werden von den Bildern von Frauen, Minderheiten, Migranten und Unterprivilegierten. Da traumatische Auswirkungen einer Tragödie immer verzögert ankommen, hoffen wir in Frankfurt/Offenbach 2023 gemeinsam mit allen Künstler:innen das Bild einer neue Welt zu entwerfen, die von der Bemühung geprägt ist, allen Wesen Fürsorge und Heilung zukommen zu lassen.« — Chiaki Soma und Kyoko Iwaki

Theater der Welt – ein Festival des ITI wird seit 1981 alle drei Jahre an eine andere deutsche Stadt vergeben und zu je einem Drittel von der austragenden Stadt, dem Bundesland und dem Bund finanziert. Für die Ausgabe 2023 wurde vom ITI erstmals eine Ausschreibung veranstaltet, bei der sich die Bewerbung von Frankfurt gemeinsam mit Offenbach durchsetzen konnte. Erstmals international ausgeschrieben wurde auch die Programmdirektion.
»Als Intendanten von ‘Theater der Welt 2023’ konnten wir mit Chiaki Soma und Kyoko Iwaki ein hochkarätiges internationales Team für die programmatische und künstlerische Leitung des Festivals gewinnen. Die Vergabe dieser zentralen Position fand erstmals über eine offene internationale Ausschreibung statt. Von den über 70 Bewerbungen aus 30 Ländern, die wir erhielten, überzeugten uns Chiaki Soma und Kyoko Iwaki durch ihre klare und mutige inhaltliche Setzung, die die Voraussetzungen eines internationalen Festivals in einer postpandemischen Welt kritisch hinterfragt und das Moment des ‘Inkubationismus’ ins Zentrum ihres künstlerischen Programms setzen wird. ‘Theater der Welt 2023’ wird vom Künstlerhaus Mousonturm, dem Schauspiel Frankfurt und dem Museum Angewandte Kunst in Partnerschaft mit der Stadt Offenbach ausgetragen. Auf diese besondere Konstellation – ein Novum in der Festivalgeschichte – hat das Kuratorinnen-Team mit einem vielgestaltigen, auf Interdisziplinarität und Vielfalt setzenden Entwurf geantwortet, der mit den unterschiedlichen Lebensrealitäten und den diversen global-lokalen Communities des Stadtraums Frankfurt-Offenbach in einen künstlerischen Dialog treten will. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Chiaki Soma und Kyoko Iwaki an einem lebendigen, zugänglichen, nachhaltigen, kritischen und vielfältigen Festival ‘Theater der Welt 2023’.«

Matthias Pees: Intendant Künstlerhaus Mousonturm,
Matthias Wagner K: Direktor Museum Angewandte Kunst,
Anselm Weber: Intendant Schauspiel Frankfurt.
Joachim Lux: »Das Konzept ‘Theater der Welt’ erweist sich einmal mehr als unkaputtbar: Es lädt als einziges deutsches Wanderfestival dazu ein, sich von Ausgabe zu Ausgabe neu zu erfinden! Absolut neu war in Düsseldorf der Kinder- und Jugendtheater Schwerpunkt. Absolut neu und großartig in Frankfurt ist ein radikaler Perspektivwechsel. Erstmals ist hier ein japanisches Kurator:innenteam eingeladen zu zeigen, was es unter Theater der Welt versteht.«

Yvonne Büdenhölzer, neu gewählte Präsidentin des deutschen ITI-Zentrums: »Theater der Welt 2023 in Frankfurt am Main und Offenbach wird in jeglicher Hinsicht ein Novum in der Historie des Festivals. Zum ersten Mal richten mit dem Schauspiel Frankfurt, dem Künstlerhaus Mousonturm und dem Museum für Angewandte Kunst drei gleichberechtigte kulturelle Player das Festival gemeinsam aus. Mit Chiaki Soma und Kyoko Iwaki wurde erstmals ein nicht-europäisches Kurator:innenteam gewonnen, das für einen Perspektivwechsel, kollektive Arbeitsweisen und eine feministische Ausrichtung steht.«

Stefan Schmidtke: »Ich wünsche dem Team Frankfurt/Offenbach viel Glück, gute Nerven und Freude für die sicherlich herausfordernde Vorbereitungszeit!«

Wilfried Schulz: »Theater der Welt, wird immer wieder neu erfunden. Dies ist eine gute Zeit für einen Aufbruch. Wir sehen uns in Frankfurt/Offenbach.«

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