Programm
Achtzehn spannende Festivaltage mit 33 künstlerischen Positionen aus aller Welt liegen vor den Festivalbesucher:innen aus nah und fern. Vom Opernhaus und dem Theaterplatz in der Innenstadt hin zu den Bühnen im Spinnbau und dem dazugehörigen Garten, über den Club Atomino zur Hartmannfabrik, dem Terra Nova Campus und einigen Orten des Sportes, verstreut in der Stadt: Mit etwa 500 internationalen Künstler:innen und eingeladenen Gästen, sind etwas mehr als 250 Veranstaltungen zu erleben.
Erstmals in der Geschichte des Festivals teilt sich ein neunköpfiges internationales Kurator:innen-Team die künstlerische Leitung von THEATER DER WELT. So vereint das Programm Arbeiten, die unter sehr unterschiedlichen kulturellen und politischen Bedingungen in verschiedenen Regionen der Welt entstanden sind – und dennoch gemeinsame globale Themen verhandeln. Fragen von Identität, Herkunft, Machtverhältnissen und Sichtbarkeit ziehen sich durch viele Produktionen.
Das Programm der 17. Ausgabe von THEATER DER WELT haben neun internationale Kurator:innen in einem kollektiven Prozess entwickelt: Simon Abrahams aus Australien, Joshua Dalledonne aus Kanada, Rodrigo González Alvarado aus Argentinien, Faye Kabali-Kagwa aus Südafrika, Nikos Mavrakis aus Griechenland, Aya Nabulsi aus Saudi-Arabien, Srishti Ray aus Indien, Ndèye Mané Touré aus Senegal und ZHANG Yuan aus China. Daraus ist eine vielstimmige Dramaturgie aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten entstanden, die verschiedene Perspektiven bewusst nebeneinanderstellt. So vereint das Programm Arbeiten, die unter sehr unterschiedlichen kulturellen und politischen Bedingungen in verschiedenen Regionen der Welt entstanden sind – und dennoch gemeinsame globale Themen verhandeln. Fragen von Identität, Herkunft, Machtverhältnissen und Sichtbarkeit ziehen sich durch viele Produktionen.
Das Publikum ist mit Gesprächsangeboten vor und nach den Vorstellungen zu Dialog und Austausch mit den Künstler:innen eingeladen. Ein Teil des Programms richtet sich explizit an junges Publikum und Familien. Es gibt kostenlose Angebote und die Möglichkeit zur Partizipation.
Wir leben verteilt über den ganzen Erdball, geografisch weit entfernt voneinander. Kulturelle, wirtschaftliche und politische Unterschiede zwischen den Weltregionen, in denen wir jeweils zuhause sind, prägen unsere Erfahrungen. Wir empfinden diese Differenzen als Bereicherung, als Erkenntnis.
Zusammengebracht hat uns die universelle Kunst des Theaters – die Kunst, die unmittelbar und intensiv, in direkter Interaktion in einem Moment zwischen Darsteller:innen und Publikum in einem gemeinsamen Raum stattfindet, und in diesem auch sofort vergeht. Die Kraft der Imagination, das lebendige Wahrnehmen und Erfahren von Unbekanntem, die Fähigkeit zur Verwandlung und die Erinnerung gehören für uns zu den menschlich größten Erlebnissen. Keine Kunstform ist derzeit so lebendig wie das Theater und verändert sich so revolutionär: Gleichermaßen bringt es Text und Sprache, Bewegung und Körper, Licht, Bühnenbild und Kostüm, Komposition und Gesang, Ton und Musik miteinander ins Spiel, nutzt dabei mechanische wie elektronische Techniken, und lässt so Inhalte in immer wieder neuen Formen entstehen. In vieler Hinsicht ist die Festivalausgabe von THEATER DER WELT in Chemnitz eine ganz besondere: Bereits im Bewerbungsprozess zum Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 wurde das Bedürfnis der Kunst- und Kulturinstitutionen nach internationaler Vernetzung formuliert.
Die Einladung an die Festival Academy aus Brüssel in Zusammenarbeit mit THEATER DER WELT ein Festival Atelier für junge Theater-Kurator:innen in der Kulturhauptstadt auszurichten, war Grundlage einer sich entwickelnden Partnerschaft des Theaters Chemnitz, der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 gGmbH und der international agierenden Festival Academy.
Durch ihre weltweit organisierten Festival Ateliers bringt die Festival Academy aufstrebende Kurator:innen zusammen und bietet eine globale Plattform für Dialog, kritische Reflexion und berufliche Weiterentwicklung. Heute bildet die Festival Academy eine weltweite Gemeinschaft von mehr als 1.500 Theater-Kurator:innen aus über 100 Ländern. Mit stetem Wachsen dieser Partnerschaft in Gleichberechtigung, mit Orientierung auf Nachhaltigkeit, Interdisziplinarität und Digitalität, nahm die Idee zu einer gemeinsamen Ausrichtung des Festivals THEATER DER WELT für 2026 Gestalt an. Erstmalig in der Festivalgeschichte wurde ein neunköpfiges internationales Kurator:innen-Team von allen Kontinenten zur künstlerischen Leitung des Festivals eingeladen. Das Bewerbungsverfahren suchte nach Persönlichkeiten mit eigenständigen künstlerischen Positionen, internationaler Perspektive und der Bereitschaft zum kollektiven Arbeiten. Gefragt war nie nach Repräsentation einzelner Länder. In einem mehrstufigen Prozess fand sich ein Team, das sich in Austausch, Recherche und gegenseitiger Auseinandersetzungen formte. Aus individuellen Blickwinkeln entstand gemeinsame künstlerische Verantwortung für dieses Festival. Jede:r von uns bringt jeweils ganz unterschiedliche Erfahrungen aus der Berufswelt des Theaters ein.
Entstanden ist daraus unser gemeinsames Programm. Vom großen Figurentheater aus Indonesien über ein Erlebnis mit Extended Reality aus Taipeh, hin zu einem Heldenepos aus dem Indien des 13. Jahrhunderts bis zu einer Pop-Oper aus Südafrika: In 33 künstlerischen Positionen ist die Programmatik des Festivals THEATER DER WELT 2026 in Chemnitz zu erfahren: Freiheit des Ausdrucks, Lebensgefühl der Selbstbestimmung, universelles Verstehen unserer Menschlichkeit. Kunstfreiheit bedeutet für uns nicht persönliche Zustimmung zu jeder einzelnen der vertretenen Positionen, sondern das Recht, diese zuzuhören – dafür gibt das Festival den Rahmen. Viele einzelne Mikrowelten sind zu erleben, von überall her und doch dramaturgisch miteinander verbunden. Jede unserer neun kuratorischen Perspektiven entfaltet sich aus anderer Richtung: aus Fragen nach Zugehörigkeit und Repräsentation, aus der Auseinandersetzung mit Hegemonie und Peripherie, aus dem Nachdenken über Umwelt, Körper und Erinnerung, aus Vertrauen auf Spiel, Imagination und kindliche Wahrnehmung, aus Beharren auf Genauigkeit und Verständlichkeit, Verantwortung und künstlerischem Risiko.
Was uns verbindet, ist, dass jede und jeder von uns unterschiedliche Fragen in das Programm eingebracht hat. Wie finden wir Gemeinsamkeiten in einer Welt, die zunehmend in Extreme gespalten ist? Wie reagieren wir auf historische Machtstrukturen, die bestimmen, wer spricht und wer gehört wird? Wie schaffen wir Strukturen, die Vielfalt nicht nur verkünden, sondern Verantwortung dafür übernehmen? Wie lässt sich unsere kuratorische Praxis definieren, oder warum sollten wir sie definieren? Zusammengenommen offenbaren sie eine temporäre, gemeinsame Erfahrung: einen Ort des Zuhörens, einen Raum, in dem Differenz nicht aufgelöst, sondern angenommen und diskutiert wird, einen Raum, in dem eine nicht-monolithische Übersetzung zwischen Sprachen, Körpern, Kulturen und Generationen stattfindet.
Unser THEATER DER WELT 2026 antwortet darauf nicht mit einem homogenen Programm. Es antwortet mit Positionen, die unter sehr unterschiedlichen Bedingungen entstanden sind. Mit Künstler:innen, die große Erzählungen ebenso wie intime Details des Alltags auf die Bühne bringen. Mit Formaten, die den Bühnenraum erweitern, ihn infrage stellen oder radikal neu denken. In diesem Prozess ging es nie um Repräsentation im statistischen Sinne. Es ging um Perspektive. Um künstlerische Arbeiten, die aus ihrer jeweiligen Realität heraus eine Dringlichkeit entwickeln. Um Werke, die Gemeinschaft ins Zentrum stellen, die Rituale und Begegnungen schaffen, die Erinnerung als lebendigen Prozess begreifen und Umwelt nicht als Kulisse, sondern als Partnerin. Die Entscheidung, neun internationale Kurator:innen mit der künstlerischen Verantwortung zu betrauen, ist Ausdruck eines bewussten Risikos und Vertrauens. Es bedeutet, Kuratieren im Sinne von geteilter Verantwortung, unterschiedlichen Sensibilitäten und vielfältigen Stimmen zu begreifen. Unterschiedliche Erfahrungsräume nicht zu nivellieren, sondern produktiv aufeinander treffen zu lassen. Unsere Zusammenarbeit war geprägt von Diskussionen, Widersprüchen, Annäherungen und Verschiebungen. Aus individuellen Positionen ist ein kollektives Programm entstanden, das keine einheitliche Handschrift, sondern eine gemeinsame Verantwortung trägt. THEATER DER WELT in Chemnitz ist damit nicht nur ein Festival, das Arbeiten aus verschiedenen Weltregionen präsentiert. Es ist ein Ort, an dem Fragen nach Zugang, Sichtbarkeit und künstlerischer Freiheit konkret verhandelt werden. Wir verstehen dieses Festival als einen Raum der Gastfreundschaft, der Auseinandersetzung und der Imagination.
Viele einzelne Mikrowelten und doch ein gemeinsamer, riesiger Moment. Für zweieinhalb Wochen entsteht in Chemnitz ein temporärer Raum, in dem sich unterschiedliche Wirklichkeiten begegnen. Was daraus entsteht, liegt nicht allein in der Auswahl der Arbeiten, sondern in der Begegnung zwischen Künstler:innen, Publikum und Stadt.
Simon Abrahams, Joshua Dalledonne, Rodrigo González Alvarado, Faye Kabali-Kagwa, Nikos Mavrakis, Aya Nabulsi, Srishti Ray, Ndèye Mané Touré, ZHANG Yuan | Kurator:innen
Inge Ceustermans, Dr. Christoph Dittrich, Stefan Schmidtke | Festivalintendanz